Warum eure Familienfotos nicht perfekt sein müssen

von Nadine Klippstein · vergissmeinnicht Fotografie

Du kennst das Foto. Alle stehen nebeneinander, alle gucken in die Kamera, alle lächeln. Oma freut sich riesig darüber, und so ein Bild machen wir bei mir auch. Eins, vielleicht zwei.

Jetzt stell dir mal vor, es ist zehn Jahre später. Die Kinder sind groß, abends ist es still im Haus, und du scrollst durch eure Bilder. Bei welchem bleibst du hängen?

Wahrscheinlich bei dem, auf dem dein Kind seinen Papa anguckt, als wär er der tollste Mensch der Welt. Oder bei dem, wo ihr alle lacht, weil irgendwer den schlechtesten Witz des Tages erzählt hat. Oder bei dem, wo du dein Kind einfach festhältst, Wange an Wange, Augen zu.

Um genau diese Bilder geht es hier. Und darum, warum ihr dafür überhaupt nicht perfekt sein müsst.


Das Bild für Oma und das, bei dem du hängen bleibst

Ich sag das meinen Familien immer ganz offen: Ein Bild, auf dem alle in die Kamera gucken, machen wir. Für Oma und Opa. Das gehört dazu.

Der Grund, warum ihr zu mir kommt, ist aber ein anderer. Das seid ihr, so wie ihr miteinander seid. Der Blick, den dein Kind dir zuwirft, wenn es sich sicher fühlt. Das Kichern, wenn Papa es durchkitzelt.

Und dann passiert jedes Mal dasselbe: Die Mamas gucken sich zuhause ihre Galerie an und verdrücken ein Tränchen. Und zwar fast immer bei den Bildern, auf denen gar nichts perfekt ist.

Auf den Bildern, die du später am meisten liebst, guckt fast nie jemand in die Kamera.


Gestellte Familienfotos: warum sie oft so steif wirken

An der Kamera liegt das nicht. Wenn jemand ruft „Alle mal herschauen!“, dann funktioniert ihr halt. Ihr lächelt, weil es von euch erwartet wird. Und das sieht man, jeder merkt sofort, ob ein Lächeln auf Kommando kommt oder weil gerade wirklich was lustig war.

Deshalb geb ich euch lieber kleine Aufgaben. „Nehmt euch alle an die Hand und lauft mal da rüber.“ „Kitzel Mama mal!“ „Weißt du, wie die Eskimos sich küssen?“ Und dann guck ich einfach, was passiert. Meistens wird genau das mein Lieblingsbild.

Ganz ehrlich ♡

Ich stand selbst schon vor einer Kamera, wo mir keiner gesagt hat, was ich machen soll. Ich wusste nicht, wohin mit meinen Händen und wohin ich gucken soll, und hab mich total verloren gefühlt. Deshalb lass ich euch nie einfach so rumstehen.

Mit der Zeit werdet ihr dann immer lockerer, und irgendwann vergesst ihr, dass ich überhaupt da bin.


Zu chaotisch fürs Familienshooting? Gibt's bei mir nicht.

Den Satz hör ich vor fast jedem Shooting: „Wir sind bestimmt nicht so eine Familie wie die auf deinen Fotos.“

Ich versteh das total. Mir geht's genauso, wenn ich mir Bilder von anderen angucke. Bei uns sieht das doch ganz anders aus, die Kinder hören nicht, der Mann hat keine Lust, und ich seh auf Fotos eh immer komisch aus.

Die Familien auf meinen Bildern hatten das alles auch, inklusive Kinder ohne Bock und Papa, der erst mal skeptisch daneben stand. Und die Mama dachte natürlich, sie wär nicht fotogen.

WAS DU VORHER DENKST

„Meine Kinder machen da eh nicht mit.“

Und ich seh auf Fotos sowieso immer blöd aus.

WAS DANN PASSIERT

Das Kind rennt weg, und Mama lacht

Genau dieses Bild hängt hinterher bei euch an der Wand. Und du siehst darauf so entspannt aus, weil du gerade gar nicht an die Kamera gedacht hast.

Ruhige Kinder taue ich ganz in Ruhe auf und kasper ein bisschen mit ihnen rum. Wilde Kinder dürfen flitzen und toben und danach in Mamas Armen Kraft tanken. Ich bin selbst Mama von drei sehr unterschiedlichen Mädels, mich bringt da so schnell nichts aus der Ruhe.


Familienfotos als Erinnerung: was in zehn Jahren wirklich zählt

Ich hab Angst vorm Vergessen. Woher die kommt, weiß ich gar nicht so genau. Vielleicht von meiner Uroma, die mich irgendwann nicht mehr erkannt hat.

Seit ich Kinder habe, ist es noch schlimmer geworden. Ich will nicht vergessen, wie klein ihre Füße waren, wie sie beim Lachen aussahen und wie es sich angefühlt hat, wenn sie sich ganz eng an mich gekuschelt haben, die Wange fest an meine.

Und dann guck ich mir unsere Familienbilder an, und wer fehlt? Ich. Weil ich immer die bin, die fotografiert. Und wenn ich doch mal drauf bin, ist es verwackelt, unscharf, oder ich guck total blöd.

Du gehörst mit aufs Bild, Mama. Genau so, wie du gerade bist.

Nadine, vergissmeinnicht Fotografie

Irgendwann gucken sich eure Kinder diese Bilder mit ihren eigenen Kindern an. Und dann wird gerätselt, von wem die Kleine die Nase hat, von Mama, von Papa oder doch von Oma.


So läuft ein Herzfamilienshooting bei mir: ein Bild für Oma, der Rest für euch

Wir treffen uns am liebsten morgens, kurz nach Sonnenaufgang. Da ist das Licht schön weich, und die Kinder sind ausgeschlafen und voller Energie. Die meisten Eltern sind um die Uhrzeit eh schon wach, dafür sorgen die Kinder ja. Im Herbst liegt dann manchmal noch Nebel über der Wiese, und im Winter glitzert der Raureif. Unter der Woche geht's auch mal eine Stunde vor Sonnenuntergang, da ist das Licht genauso warm.

Wir sind immer draußen, im Wald, auf einer Wiese oder an einem kleinen Teich. Wenn ihr einen Lieblingsort habt, an dem ihr schon schöne Sachen erlebt habt, komm ich auch gern dorthin.

Irgendwann im Shooting sag ich dann doch: „Guckt mal alle kurz her.“ Für Oma. Danach geht's direkt weiter mit dem, weswegen ihr eigentlich da seid.

DAS NEHMT IHR MIT NACH HAUSE

  • Bilder, auf denen man sieht, wie ihr miteinander seid
  • Einen Bewegte Herzmomente Film, 60 bis 120 Sekunden in Zeitlupe mit Musik
  • Bilder von dir mit deinen Kindern, scharf und mit dir mittendrin
  • Wenn ihr mögt, ein handgemachtes Album oder eine Holzcollage, damit die Bilder nicht im Handy verschwinden

Perfekt sein müsst ihr dafür nicht. Zieht euch was Schönes an, kommt so, wie ihr seid, und den Rest machen wir zusammen.

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Fazit

Eure schönsten Familienfotos entstehen, wenn ihr einfach zusammen seid.

  • Ein Bild für Oma machen wir, alle anderen sind für euch.
  • Ihr bekommt kleine Aufgaben von mir, der Rest passiert von allein.
  • Wilde Kinder, schüchterne Kinder und skeptische Papas sind bei mir genau richtig.
  • Diese Bilder sind für in 10, 20 oder 30 Jahren.
  • Und du, Mama, bist mit drauf.

Ich freu mich auf euch, genau so, wie ihr seid.

HERZFAMILIENSHOOTING

Wann habt ihr das letzte Mal ein Bild von euch allen?

Schreib mir einfach, per WhatsApp oder übers Kontaktformular, und erzähl mir, wer bei euch alles dazugehört. Ganz sicher sein musst du dir dabei noch gar nicht.

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